So auch für Günther und Karl Heinz, die spontan nach bekannt werden der Tourstreckenführung darüber nachdachten, Mensch - da müsste man dabei gewesen sein.
Nach einigem Hin und her reifte der Entschluss, man könnte ja von Riegelsberg mit dem Rad bis Besançon fahren, ab dort weiter mit dem Zug bis Grenoble reisen und dann 1-2 Tage vor Ort das Tourspektakel live zu erleben. Die Pläne konkretisierten sich immer weiter, neben Alpes d'Huez wären ja weitere Etappen, so z.B. das Einzelzeitfahren in Besançon noch drin.
Trotz permanenter Werbung wollte sich kein weiterer RSF'ler zu diesem Abenteuer entschließen, also blieben zu guter letzt nur Günther und KH über.
Aufgrund der unbeständigen Wetterverhältnisse, des unsicheren Radtransfers von Besançon - Grenoble und einer zwischenzeitlich bei Günther festgestellten Viruserkrankung, die ihn in seiner Tourvorbereitung über Wochen zurückwarf, entschlossen wir uns, die Anfahrt mit dem Auto durchzuführen.
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Gesagt getan, am Freitag 16.07. gegen 10:30 ging's endlich los. Die Anfahrt bis Grenoble verlief unspektakulär, wie üblich auf den französischen Autobahnen Tempo 130', viel Reiseverkehr, aber ankommen war das Ziel.
Freitag 17:00 Uhr Grenoble - alle Städter und Pendler wollen raus aus der Stadt - und wir mitten durch.
Spätestens an der Abfahrt zum Zielort (St. Jean de Vaulx) dankten wir insgeheim all den Gründen und Ursachen, die uns veranlasst hatten, mit dem Auto anzufahren;
Ein großes Schild "RAMPE LAFFREY" ließ nicht gutes ahnen. 7 km ...12% Steigung bis zum ersten Ort auf diesem Hochplateau, wo wir unsere Bleibe hatten, hätte uns ganz schön Körner gekostet, zumal es ab Laffrey noch weitere 3 km mit ca. 250 h/m und durchschnittlich 6-8% aufwärts ging.
So gaben wir einfach Gas, waren froh, nach 10 Stunden Fahrt am Ziel zu sein und freuten uns auf die nächsten Tage.
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Aber der Reihe nach: Am Morgen des 17. Juli 2004 parkten wir den Sechszylinder-Diesel in Séchillene, kurz hinter Vizille, 350 h/m. Wir wollten einfach nur nach Bourg d'Oisans fahren, dem Startort des Einzelzeitfahrens am Mittwoch hinauf nach Alpes d'Huez, und dann nur mal in den Berg hineinschauen.
Bis nach Bourg d'Oisans waren es laut Karte 22 km, leichte Steigung auf knapp 750 Höhenmeter. Doch bald mussten wir feststellen: das die Oberschenkel begannen zu brennen, obwohl der HAC 4 nur 2-3% Steigung anzeigte - aber heftiger Gegenwind. Der Tag fängt ja gut an!
Während wir beide uns in der Führungsarbeit ablösten, war der junge Franzose, der sich bald an uns angehängt hatte, nicht bereit, seinen Teil der Arbeit zu leisten. Wir lösten das Problem auf unsere Weise - indem wir eine Pinkelpause einlegten - dumm gelaufen.
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In Bourg d'Oisans angekommen, nahmen wir Kurs auf Alpes d'Huez, wir wollten ja nur mal hatten reinschnuppern! Am Ortsausgang ging's links ab, vorbei an einer Wohnmobil-Burg, und dann begann's: direkt steil aufwärts; Der HAC signalisierte sofort >10 % bis zur ersten Kurve (21). Mit den gleichen Steigungsprozenten kletterten wir zur Kehre (20), sie ist dem Holländer Joop Zootemelk gewidmet.
Und da wir ja immer noch schnuppern wollten (!), stoppten wir und legten eine Gedenkminute ein. Was jetzt? Wir beschlossen, noch eine Kurve weiter zu fahren. Und so langsam wuchs das Bewusstsein: jetzt oder nie.
Zwischen Kurve 18 und 19 sagten wir uns: wenn wir das Ding jetzt nicht durchziehen, werden wir nie mehr nach Alpes'Huez hinauffahren: Umkehren heißt verlieren!
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In jeder Kurve, auf jedem freien Platz hatten sich bereits Wohnmobile fest installiert (wir haben Samstag, und die Etappe ist erst am Mittwoch!)
Mittlerweile hatten wir die brutale Anfangssteigung hinter uns gelassen, im Display standen nur noch zwischen 8 und 9 %.
Irgendwie fehlte uns aber der Überblick: da wir ja nie vorhatten, heute schon da hoch zu fahren, hatten wir weder die km vor dem Anstieg genullt noch die Anfangshöhenmeter entsprechend eingestellt.
Im Hinterkopf hatten wir noch, das uns nach km 10 wieder eine Rampe mit über 11 % erwartete, die würden wir, nach den ersten harten 4 km, auch noch schaffen - also weiter.
Wenn wir hinabschauten, konnten wir uns an dem Panorama erfreuen und stolz feststellen, was wir schon erklommen hatten, schauten wir jedoch nach oben, konnte einem schon noch schwindlig werden.
So langsam wurde es heiß, und entsprechend schwerer wurden die Beine.
Aber wir wussten ja aus dem Fernsehen: die letzten km sind relativ flach. Also, das bisschen packen wir auch noch!
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Aber irgendwo schienen wir die falsche Sendung gesehen zu haben: tatsächlich ging es in unverminderter Steigung weiter: den Ort Huez hatten wir passiert, die Straße war bereits durch Absperrgitter eingerahmt, eine zweiten Guerini-Sturz wird es 2004 nicht mehr geben!
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Die Hotelburgen vom Wintersportort Alpes d'Huez waren zum Greifen nah und doch noch so weit oben!
Und dann sind wir in der Kurve (1), der letzten. Jetzt ist es doch nur noch ein Klacks. Aber wenn man 15 km und 1130 Höhenmeter hinter sich hat, dann tut jeder Meter nur noch weh, auch wenn's der letzte ist!
Nach 1 ½ Stunden haben wir's geschafft: Brägels Traumzeit haben wir eingestellt.
Fix und Foxi steuerten wir den ersten Fan-Artikel-Shop an, tolle T-Shirt + Trikots lockten, aber die Preise waren deftig, KH investierte trotzdem 14,90 € zur Erinnerung an dieses möglicherweise einmalige Erlebnis.
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Kurz entschlossen steuerten wir die erste (Kaffee)Bar an, der Blick aufs Preisschild, 4,50 € für ein Bier (0,5 l) ernüchterte erst einmal, aber der Ausblick auf die "Fata Morgana" von Alpes d'Huez verleitete uns dann doch, in diesem Etablissement einzukehren. Übrigens war der Laden recht gut besucht! |
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Nach einer ausgiebigen Pause und ritueller Reinigung am Dorfbrunnen ging's dann an die Abfahrt. Nach 20 Minuten war alles vorbei - die Hände steif vom Bremsen schossen wir auf den letzten Metern in Bourg D'Oirsans ein.
Fast hätte es Günther auf den letzten Metern noch von der Straße gefegt, eine französische - vermutlich Fahranfängerin - hatte ihr Fahrzeug nicht richtig im Griff, Glück gehabt. Eine ähnliche Situation wiederholte sich rund 5 km später - die Jungs in Frankreich fahren halt einen heißen Stil. Beide Fahrer haben sich über die lautstarken Kommentare von Günther sicherlich Gedanken gemacht, die keinesfalls jugendfrei waren!
Die Rückfahrt nach Séchillene - jetzt überwiegend abwärts und wieder mit Gegenwind (verstehe wer will?) verlief im 35/40er Schnitt. Von dicken Beinen keine Spur - was so ein gutes Gefühl alles bewirkt!
Am Auto angekommen, hatten wir 83 km und 1570 h/m erfolgreich hinter uns gebracht.
Zuhause angekommen, schnell unter die Dusche, und dann in die einzigste Kneipe von Laffrey, in wel-cher einen Fernseher mit Bildern der Tour lief. In Alpe D'Hues noch als Fata Morgana, erschien uns die Wirtin in Laffrey als kalte Dusche(!) Was soll's - Hauptsache das Bier war kalt und aus dem Elsass - wobei auch hier der Preis schon heftig war (2,20 € 0,25 l).
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Am Abend lief KH als Koch zu ungeahnter Größe auf, ein Abendessen vom feinsten!
Bier und Rotwein in ausreichender Menge genossen, ließ uns dann gegen 20:00 Uhr den Tag beschließen. |
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Das Höhenprofil des Tages: |
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Frühstück um 07:00 Uhr, keine Spur von Muskelkater, top Wetter zu erwarten - also Abfahrt gegen 08:00 Uhr. Lockeres Ausfahren war angesagt.
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Als erstes Ziel steuerten wir La Mure an, die nächst größere Gemeinde auf dem Hochplateau, auf dem wir uns ja bereits befanden. Rund 15 km ging es auf und ab über die Route Napoleon, zum Glück noch wenig Autoverkehr.
Im Ort angekommen, stoppte uns zunächst die Boulangerie, aber auch ein Autokorso mit Oldtimern. |
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Nach kurzem Aufenthalt fuhren wir weiter über nun verkehrsarme Straßen - die an die Strecke zwischen Montiono und Longiano in Italien erinnerte - zunächst relativ flach, dann immer stetiger abwärts, bis wir den Lac du Drac erblickten. Dieser langgezogene See sollte uns nun auf stetig, auf leicht ansteigenden und dann wieder abfallenden Straßen bis nach La Motte d'Availlans begleiten, wo wir an einem Grubenmuseum Rast machten. Eigentlich wollten wir im Grunde locker die Beine ausfahren, hatten aber bis dahin nach rund 30 km schon rund 700 h/m in den Beinen.
Um wenigstens noch km zu machen, entschlossen wir uns, nach Notre Dame de Vaulx (ca. 5 km Luftlinie) aber ca. 15 km Wegstrecke, zu fahren. Zunächst ging es wieder ca. 100 h/m abwärts um dann steil nach oben über eine kleine Landstraße zurück zur Ausgangshöhe von ca. 1050 h/m.
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Überraschend fanden wir uns kurz danach an unserem Ausgangspunkt wieder und entschlossen uns zum Frühschoppen nach La Mure zurückzufahren. Gesagt getan, jetzt allerdings mit erheblichem Verkehr düsten wir bis zur Ortsmitte und suchten uns ein gemütliches Bistro, wo wir uns eine Zeitung und ein kaltes Bier gönnten. Das hätten wir besser bleiben lassen, den bei ca. 35° im Schatten zeigt schon ein ¼ ltr Bier Wirkung. Die ersten km der Rückfahrt gestalteten sich dementsprechend - der Montiono-Grappa-Effekt - schlug gnadenlos zu. |
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Aber auch das wurde bewältigt, nach 101 km und 1200 h/m endete dann unser erster "Ruhetag" mit einem Besuch bei Napoleon, dessen Denkmal wir bei der Einfahrt nach Laffrey entdeckten.
Für den Montag nahmen wir uns schon vor, wirklich einen Ruhetag einzulegen, immer bolzen muss ja nicht sein.
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Das Höhenprofil des Tages: |
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Frühstück um 07:00 Uhr, leichter Muskelkater bei Günther, diesiges Wetter - aber KH gab die Parole aus - heute werden es wieder 30°. Günther traute diesen positiven Gedanken, nach einem kritischen Blick an den Himmel, nicht so recht, zumal es in der Nacht mehrfach geregnet hatte. Also - Regenjacke ans Fahrrad. (war unnötig, KH behielt Recht!)
Abfahrt gegen 07:30Uhr mit dem Auto nach Vizille zur Tankstelle (höchste Eisenbahn)
Anschließend war lockeres Ausfahren angesagt - flach, flach, flach; Aber nur bis km 15!
Am Samstag hatten Radsportfreunde aus Frankreich eine Strecke nach Villard de Lans (dem Tour Etappenziel am Dienstag) empfohlen: ab Grenoble ca. 13 km zwar leicht bergauf mit mäßiger Steigung um die 5%, dann nur noch abwärts bis Villard de Lans. Nachdem sich die Beine relativ gut anfühlten, "schnupperten" wir nur kurz an der Anfahrtstrecke per Rad zum Etappenziel am Dienstag.
Zunächst stimmte die Einschätzung der franz. Kollegen. Plötzlich stand dann eine Rampe von >10% (800m) vor uns, na ja - wer Alpes d'Huez schafft, hat vor einer solchen Steigung am Anfang keinen richtigen Respekt. Hätten wir aber haben sollen!
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Nach einer kurzen flachen, dann abfallenden Passage, in der die geschundenen 100 h/m gerade wieder verloren, ging's dann links weg - und gleich zur Sache!
In unzähligen Windungen - ständig mehr als 5%, des öfteren bis zu 10%, ging es tatsächlich die avisierten 13 km - auf 1150 h/m hoch. Nach ca. 6 km (bei 700 h/m) stellten wir uns ernsthaft die Frage - ob wir uns diese Quälerei weiter antun sollten, schließlich wollten wir ja nur flach fahren!
Aber, jetzt waren es ja nur noch ca. 350 h/m, unser Entschluss kam relativ schnell - was soll's, jetzt sind wir schon so weit, also weiter. (Na ja, diesen Gedanken kennen wir ja schon)
Die letzten km zogen sich unendlich, schattenlos, denn zwischenzeitlich hatte sich das Wetter ja wieder zum Bilderbuchwetter entwickelt (+37°) ab ca. 950 h/m bei nunmehr durchschnittlich 5-8% Steigung auf rund 1250 h/m (lt. HAC 4). Am Zielort, dem höchster Punkt des Tages in St. Nizier gönnten wir uns eine dann eine wohlverdiente Erfrischung.
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Die Bestellung verlief in folgender Reihenfolge: Überlegung ......Bier oder Cola.......Blick auf die Karte.... nur noch bergab....also Bier (immer noch sündhaft teuer, aber man gönnt sich ja sonst nichts)
Nach kurzer Rast ließen wir dann die Räder richtig rollen; rund 30 km auf einer der tollsten Abfahrt, die wir je erlebt haben (von 1250 auf 300 h/m) nach Grenoble. Herrliche, wildromantische Umgebung, guter Straßenbelag und rund ausgebaute, übersichtliche Kurven, wunderschöne Aussichten auf das Tal von Grenoble und die herrliche Berglandschaft..... , echt zu empfehlen!
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Die Fahrt durch die Randbezirke von Grenoble stellte nicht gerade ein Highlight des Tages(!), war aber nicht zu vermeiden. Kurz vor dem Ortsausgang Grenoble fanden wir einen tollen Radweg, den wir selbstverständlich ausnutzten und somit dem dichten Verkehr aus dem Wege gingen. Nachdem wir uns an einen beeindruckenden Wasserfall noch einmal kurz aufhielten, fuhren wir weiter.
Was dann kam, ist schwer nachzuvollziehen. KH fuhr vorweg, Günther folgte kurze Zeit später nach. Da KH schon ein ganzes Stück weiter vorweggefahren war, trat Günther kräftig in die Pedale und machte Tempo. Was er nicht bemerkte war, dass dieser herrliche Radweg abrupt endete und in einen Schotterweg mündete; KH hatte daher zwischenzeitlich angehalten, Günther aber, wohl den Kopf kurz noch nach unten, bemerkte das Hindernis (KH) erst im allerletzten Moment, fuhr auf und legte sich ab.
Tiefe Dellen im Helm bestätigten wieder einmal, wie wichtig dieser Ausrüstungsgegenstand ist! Leider haben Muskeln und Knochen keinen Prallschutz, neben einigen kleineren Hautanschürfungen, (Trikot und Hose "unverletzt"), zog sich Günther allerdings erhebliche Prellungen an der linken Hüfte zu - wie wir da noch glaubten.
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Das Höhenprofil des Tages: |
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