Geschichtlicher Hintergrund; Die legendäre Alpenüberquerung aus militärischen Gründen gelang 218 v. Chr. dem Karthagerführer Hannibal, der während des Zweiten Punischen Krieges mit circa 50.000 Soldaten, 9.000 Reitern und 37 Kriegselefanten auf einem bis heute nicht genau zu bestimmenden Pass die winterlichen Alpen überschritt, um Rom anzugreifen. Die Hälfte seines Heeres und alle Elefanten gingen dabei verloren. Mehr zum möglichen Weg ist h i e r nachzulesen
| Sonntag, 4. Juli 2010, kurz vor 7 Uhr: am Nachmittag zuvor hat Deutschland im Viertelfinalspiel Argentinien mit 4:0 regelrecht demontiert. Der kleine Bus hält vor der Wohnung von KH, der im Nationaltrikot die Fahrt antritt. Wenn am Mittwoch das Halbfinale gewonnen wird, dann ist für's Feiern vorgesorgt! | ![]() |
Von wegen eine, im Mercedes sitzen bereits Günther, Kurt, Sigrid, Eberhard, Michael und Karl. Zu siebt macht man sich auf die Reise in Richtung Südfrankreich. Knapp 800 Auto-km sind bis Mas Blanc des Alpilles in der Nähe von Avignon zu bewältigen.
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Es läuft gut: trotz frühmorgendlicher Suche nach einer Tankstelle und Umwegen haben wir in etwas mehr als zwei Stunden 217 km absolviert, das Navi meint, wir sind gegen 15 Uhr am Ziel: noch 583 km! Der Himmel ist bedeckt, es ist nicht mehr so heiß wie in den vergangenen Tagen.
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Nach dem langen Sitzen im Bus machen wir uns auf einer kurzen Ausfahrt die Beine locker,
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oder erfrischen uns im hauseigenen Pool: |
Morgen geht es an den Fuß des Ventoux, und spätestens ab dann wird es ernst!
Sorry, dass es heute abend spät geworden ist: es war ein anstrengender Tag und ich komme erst jetzt, kurz vor 22 Uhr, zu meinem Bericht. Deswegen auch nur ein paar kurze Zeilen und genau so wenige Bilder:
Nach dem Frühstück im Hotel Mistral ging es in Richtung Les Beaux und begann gleich mit einem Platten von Sigrid, gepaart mit dem Verlieren des Busses, was später noch einmal in der Einsamkeit der Berge vor dem Ventoux
passieren sollte.
Unangenehm war gleich der Wind, hier mit dem Namen 'Mistral' bekannt. Dieser Wind sollte uns den ganzen Tag zu schaffen machen, hinzu kam im Laufe des Nachmittags die Hitze - bis zu 35 Grad - und die Steigungen in Richtung Sault und Ventoux.
Diejenigen, die die Strecke komplett absolviert hatten, konnten 120 km und 1400 Höhenmeter auf den Displays ablesen. Alles in allem ist es aber gut gelaufen, und die sieben haben das Abendessen und den Abend auf dem Marktplatz von Sault genossen!
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Dienstagmorgen, 06.30 Uhr: Der kleine Marktplatz von Sault,
gestern abend noch voller Betrieb, ist ruhig und menschenleer. Wie vieler Radfahrer in unserem und den umliegenden Hotels werden jetzt ebenfalls unruhig in ihren Zimmern auf das Frühstück warten? Alle haben wir das gleiche Ziel: den legendären Mont Ventoux, den 1912 m hohen Riesen in den französischen Voralpen.
Wir haben uns die "leichteste Route" ausgesucht, den 26 km langen Anstieg von Sault aus, dessen Steigungsprozente bis zum Chalet Reynard noch moderat sind. Die letzten 6 km bis zum Gipfel, über den 'Col des Tempêtes' (Sattel der Stürme) warten jedoch mit wesentlich stärkeren Steigungen auf. Hoffentlich hat der Wind heute etwas nachgelassen!
Unser Bus bleibt am Morgen in Sault stehen, denn keiner will sich den Anstieg zunächst entgehen lassen: am Chalet entscheiden wir, wer wieder runterfährt
18:00 Uhr: wir sind im Hotel Jabron in LA BEGUDE DE MAZENC, irgendwo in der Nähe von Montelimar. Es war ein toller Tag, vor allem die Auf- und Abfahrt zum Ventoux:
Die ersten km führen in leichten Kurven mit moderaten Steigungsprozenten bis maximal 5 % bergan, auch, als wir die Felder verlassen und in den Wald einfahren. Auch der am Vortag noch so heftige Wind ist noch nicht so dominant, und da die Straße sich ständig windet, kommt er mal von vorne und mal von hinten. Mal sind wir mit knapp 10 km/h unterwegs und manchmal zeigt der Tacho auch über 20 km/h an. Das absolute Highlight aber ist eine Passage kurz vor dem Chalet Reynard: 2 % Steigung und guter Rückwind lassen mich an den vor mir fahrenden vorbeifliegen: ich bin mit mit sage und schreibe 33 km/h den Ventoux hochgefahren, zwar nur 100 m, aber immerhin!
Ab Chalet Reynard ist aber Schluss mit lustig: auf den nächsten 6 km sind 600 HM zu bewältigen, und das durch eine Steinwüste ohne Schatten. Die Versuchung, abzusteigen und eine Pause einzulegen, ist permanent da. Aber selbst am Denkmal von Tom Simpson fahren wir fast alle durch, immer die Gipfelstation im Blick. Vor der letzten scharfen Kurve weiß ich: nur noch wenige Meter. Tony Martin hat das im letzten Jahr bei der Tour nicht gewusst, sich vom Spanier Garate überraschen lassen und die Etappe "verschenkt"
26 km, 1300 HM in 2:34 Std bei einem Schnitt von 11 km/h. Für alte Herren eine Leistung.

Die anschliessende Abfahrt war einfach nur G E I L : 20 km mit Gefälle von bis zu 12 %, vielen Kurven, und das alles in 25 min!!!
Der Rest des Tages ist schnell erzählt: nach einer kurzen Mittagsrast wird der Wind immer stärker, zum Schluss sind wir auf der Ebene gegen den Wind mit 12 km/h unterwegs. So macht Radfahren keinen Spass, wir steigen in den Bus und schenken uns die restlichen 25 km.
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In Kürze: Abfahrt um 8:30 Uhr, kurz vor Valence alle ins Auto wegen der unmöglichen Verkehrssituation für Radfahrer, hinter Romain Rast mit Sandwiches, lockere Weiterfahrt bis kurz vor Grenoble, dort Ankunft gegen 16:30 incl. aufwändiger Hotelsuche.
Summen: 100 km, 650 HM, und jetzt warten wir aufs Halbfinale.
Manchmal beneide ich mich selbst nicht um meinen "Job": Ankunft in La Grave gegen 17.30 Uhr, aufs Zimmer (kaputt, siehe Bericht weiter unten) , WLAN versucht in Gang zu bringen (was bisher nicht geklappt hat, irgendwas mit dem Netzwerkschlüssel stimmt nicht! Ich weiß also auch nicht, wann ihr diese Zeilen lesen könnt.) Die Kollegen sitzen auf der Terasse und genießen den Ausblick,

Ich habe mittlerweile die Karten von Kurt und Karl ausgelesen und beginne mit meinem Bericht. Zwischenzeitlich ist ein anderer Kollege mit den Abrechnungen des Tages gekommen. Leider ist nur mein Rechner multitaskingfähig, ich leider nur begrenzt!
Es ist jetzt 18.45 Uhr, Treffpunkt ist in einer halben Stunde im Restaurant. Wahrscheinlich werde ich dort weiterschreiben. Jetzt gehe ich erst mal duschen!Aber jetzt zum sportlichen: Kurz nach 8:30 Uhr fahren wir von St. Jean los, dank unserer Ortskenntisse aus den vergangenen Jahren finden wir auch recht gut durch die Aussenbezirke von Grenoble durch, machen an Günthers Unfallstelle von 2005 eine kurze Gedenkpause (der Stein, auf den er damals geknallt ist, liegt immer noch da), geben Michael in Vizille Gelegenheit, den Nikotin-Nachschub zu orgnisieren und treffen Günther in Sechillienne, wo Karl den Bus übernimmt.
Bisher war alles flach, aber jetzt geht es bergan!
Der Anstieg bis Bourg d'Oisans zieht sich über 20 km leicht moderat hoch, immer so zwischen 2 bis maximal 5 %. Auf dem Parkplatz gibt es eine Überraschung: Michael hat sich entschlossen, nach Alpe d'Huez hoch zu fahren. A la bonheur!
Wir anderen stärken uns in unserem "Stammrestaurant" von 2004-2006 mit Sandwiches und dann geht es richtig in den Berg: die nächsten 29 km werden zu dem härtesten gehören, was der eine oder andere bisher erlebt hat.
Eigentlich hatte ich die Strecke viel leichter in Erinnerung, aber als es kurz hinter Bourg d'Oisans mit 8 bis 10 % hoch geht, kommen zu der Steigung die bisher gefahrenen km und vor allem die Hitze hinzu. Dankbar nehmen wir nach 4 km einen Gebirgsbrunnen in Anspruch, der uns mit kühlem und vor allem fantastisch schmeckender Erfrischung versorgt.
Nach weiteren 6 km erreichen wir den Stausee, von dem es auch nach Les deux Alpes hochgeht. Karl hat Michael im Bus: der Kerl war tatsächlich in etwas mehr als einer Stunde nach Alpe d' Huez hochgefahren (nur die letzte Kehre hat er sich geschenkt) und irgendwo unten in den Bus gestiegen.
Die verbleibenden 14 km sind nominell leicht, aber tatsächlich eine Tortur: beim zweiten Tunnel werden wir fast von zwei Riesen-LKW erwischt, die mit einem Höllentempo von oben durch die Röhre donnern.
Unsere Kraft lässt nach und die Steigung nimmt einfach kein Ende. Eigentlich hält mich nur noch die Aussicht auf den Brunnen kurz vor La Grave auf dem Rad.
Von dort ist es nur noch ein km bis zum Hotel. Auf dem Parkplatz steht bereits unser Bus,und in der Kühltasche richtig gekühltes (Günther hatte am Morgen die geniale Idee mit Trockeneis) saarländisches Bier.
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21.00: Wisst ihr, was "La Reblochonade" ist. Schaut bei Google nach! Schmeckt vorzüglich.
Bericht ist fertig, Netzwerkprobleme gelöst, Bericht geht ins Netz.
Und die Rechnungsdaten von heute erfassen wir morgen früh. Vielleicht hat ja der Kollege Zeit!
Mit dem Galibier wartet heute einer der legendären Gipfel der Tour de France auf uns. Der 2645 m hohe Bergriese steht in einer Reihe mit dem Tourmalet in den Pyrenäen, dem Ventoux in der Provence (siehe Dienstag) und Alpe d'Huez, wo unser Michael gestern noch war.
Streckenbeschreibung: Wir befinden uns heute morgen in La Grave auf 1450 m, der Anstieg zum 2058 m hohen Lautaret wird sich über 11 km erstrecken, im Schnitt sind das etwas mehr als als 5 Steigungsprozente.
Auf dem Plateau werden wir eine kurze Pause einl
egen, die letzte Gelegenheit nutzen, unsere Wasserflaschen aufzufüllen und uns vor allem mental auf die letzten 8,5 km vorbereiten, deren Umfang von hier unten schon sehr genau einzusehen ist: Die Südrampe des Passes windet sich in 8 Kehren mit einer durchschnittlichen Steigung von 6,5 % bis auf die Passhöhe. Die letzten 900 m werden sehr anstrengend sein, denn von Denkmal des Tour de France-Gründers Henry Desgrange (1865 – 1940) geht es dann richtig zur Sache. Zu den Steigungsprozenten von bis zu 12 % kommt auch die dünnere Luft zum Tragen.
Aber darüber mache ich mir jetzt, um 6:00 Uhr in der Frühe, noch keine Sorgen, sondern geniesse die Aussicht auf den La Meije-Gletscher, der so langsam die ersten Sonnenstrahlen einfängt. Geplant ist der Start gegen 8:45 Uhr, und wenn ich am Nachmittag in Briancon wieder ein Netz habe, könnt ihr am Abend den Bericht für den letzten Tag sehen. Und da die Strecke heute nur 56 km lang sein wird, hoffe ich, dass es dieses Mal zum Feierabend auch bei mir ohne Stress über die Bühne gehen wird.
Unser "Kuddel" bezwingt seinen ersten Zweitausender
Am Morgen fahren wir zunächst alle sieben, der Bus blieb in La Grave stehen, bis zum Lautaret. Dabei vollbringt Karl eine ganz famose Leistung: mit seinen knapp 76 Jahren und als Bürger von Hamburg, wo bereits Bordsteine zu den größeren Erhebungen zählen, zeigt er, dass er auch Kletterfähigkeiten hat.
Während Karl zurück nach La Grave fährt, gehen wir restlichen sechs in den Galibier. Jeder fährt seinen Rhythmus, die letzten Tage, vor allem der gestrige, haben ihre Spuren hinterlassen. Nach dem obligatorischen Gipfelfoto stürzen wir uns wieder in die Abfahrt, wobei "stürzen" insoweit übertrieben ist, dass der schlechte Straßenbelag kaum Geschwindigkeiten über 40 km/h zulässt.
Mitten in der Abfahrt haut es uns jedoch fast vom Rad! Wer kommt uns entgegen: unser Kuddel. Der Teufelskerl hat den Bus von La Grave hochgefahren und mit dem Rad bereits die Hälfte des Anstieges zum Galibier bewältigt. Weil wir seiner Frau versprochen haben, auf ihren Mann aufzupassen, überzeugen wir Karl, den zweiten Gipfelsturm für heute abzubrechen.Nach dem obligatorischen Sandwich, diese Mal auf dem Lautaret, gibt es dann hinunter nach Briancon eine wirklich schöne Abfahrt: bei gutem Straßenbelag und wenig Verkehr durchfliegen wir die Kurven mit Geschwindigkeiten zwischen 60 und 70 km/h, bis wir nach 14 km von einer Ampel gestoppt werden. Die restlichen km bis zum Hotel lassen wir es dann ruhig angehen.
Morgen früh geht es zurück nach Hause, das Fazit am morgigen Abend, wenn ich zuhause bin.
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Samstag, 10 Juli 2010, Autobahn Basel-Straßburg, kurz vor 16 Uhr, noch etwas mehr als 220 km. Un 8:35 Uhr sind wir in Briancon losgefahren, die knapp 800 km werden wir, wenn jetzt nicht noch was außergewöhnliches passiert, ohne Probleme absolvieren.
Das Radio ist aus, aber selbst wenn es eingeschaltet wäre: lieber Adamo, von wegen Tränen auf Reisen! Da hast du dich aber vor einer Woche sehr geirrt! Hier im Bus sitzen insgesamt 432 Lebensjahre, was einem Schnitt von über 62 Jahren entspricht. Der Schnitt wäre sogar noch besser, wenn unser Jungradler Michael mit seinen 40 Jahren nicht die Rechnung versaut hätte. Zum Ausgleich dafür musste er aber am Donnerstag die Ehrenrunde nach Alpe d'Huez drehen.
Wie dem auch sei: diese 432 gesammelten Lebensjahre haben in den letzten 6 Tagen insgesamt über 700 km und 6000 Höhenmeter bewältigt, und das, bis auf eine Platten, ohne jeden Zwischenfall oder gar Unfall. Ausspruch von Sigrid heute morgen beim Frühstück: "Wir müssen kerngesund sein, dass wir das alle so bestanden haben!"
Lass dir also in Zukunft was anderes einfallen, wenn du von uns singst!
Euch zuhause am Bildschirm danken wir fürs regelmäßige Lesen unserer täglichen Berichte; wir hoffen, es hat Spass gemacht, dann haben sich Mühe und Stress gelohnt!
18:07 Uhr: wir überfahren die Grenze bei Großblittersdorf, der letzte Teil des Berichtes geht ans Netz!